Adventsgeschichte 2017

Admin/ November 24, 2018/ Archiv

Adventsgeschichte IV - 2017

Wieso in Gottesnamen habe ich meinem Impuls nachgegeben und stehe hier in der Bergbahn? Der einzige Freie Samstag im Dezember. Die Kinder beim noch Ehemann und ich habe soviel Arbeit, die ich zu verrichten habe. Haushalt wieder mal auf Vordermann bringen. Ein Waschberg der schreit. Geschenke einkaufen und wenn schon erhältlich, ein Christbaum. Frustriert über sich selber streicht sie ihre Haare mit der Hand nach hinten. Atmet tief ein und beschliesst, die nächste Bahn nach unten zu nehmen. Wenn sie es heute nicht macht, wann dann? Was sollen alle diese Gedanken? Wäre ich zu Hause hätte ich keine Zeit nachzudenken. Dann wäre ich abgelenkt von meinen Aufgaben. Sie schaut aus der Kabine der Bergbahn und sieht ein paar Schneebedeckte Bäume. Sie sieht Bilder von sich, als sie als Kind Ende November mit dem Ski Anzug draussen war und bis zu den Knien im Schnee versank. Lachend mit anderen Kindern am Schneemann bauen. Durchfroren mit roten Backen nach Hause laufen. Ihre Mutter liess ihr ein heisses Bad ein. Danach setzte sie sich in die Küche zu den Eltern und lauschte ihren Stimmen. Sie seufzte. Das war ganz anders als heute. Nicht diese Hektik. Oder hatte sie das nur nicht bemerkt? Gab es schon früher diesen Weihnachtsstress? Wann hatte sie angefangen bei dem Konsumwahn mitzumachen?

Die Bergbahn ist angekommen. Sie stieg aus und beschloss einen Kaffee zu nehmen. Sich eine Stunde Auszeit zu gönnen. Im nahegelegenen Bergrestaurant war nicht viel los. Sie fand an einem Tisch am Fenster einen freien Platz. Die Holztäfelung erinnerte sie an ihr daheim. Melancholie breitete sich in ihr aus und plötzlich hatte sie mit den Tränen zu kämpfen. Energisch wischte sie die kullernden Perlen weg und fragte sich heute zum x-ten Mal, was in sie gefahren ist.  Einfach hier zu sitzen, einen Kaffee zu geniessen und die Welt sein lassen. Sie schaute sich im Restaurant um. Nebst dem Personal war sie der einzige Gast. Sie schaute auf die Uhr. Es blieb noch Zeit für einen Kaffee bis zur Abfahrt der nächsten Bahn. In Gedanken stellte sie ihre heutige Arbeitsliste zusammen. Was sie alles erledigen möchte bis die Kinder vom Vater zurückkommen. Da haben wir auch schön versagt. Wir haben es nicht geschafft unsere Ehe zu retten. Was war eigentlich der Auslöser für das aus? Sie haben beide gearbeitet. Konnten sich und ihren Kindern mehr bieten. Jeder konnte seinen Sport ausüben. Man konnte für die gemeinsamen Ferien Geld sparen. Beide hatten ihr eigenes Auto um unabhängig zu sein. Nur gemeinsame Zeit. Die hatten sie nicht. Dafür waren sie beide am Abend viel zu müde um noch zu reden oder gemeinsam was zu unternehmen. Was sollten all diese Gedanken? Jetzt ist Schluss. Sie zahlte ihre Kaffee und machte sich auf den Weg zurück nach Hause. Als sie an der Talstation ausstieg war es schon Mittag. So jetzt aber Gas geben. Ich bin ja in der Stadt. Erledige ich zuerst die Einkäufe. Sie hetzte von Geschäft zu Geschäft und fand doch nicht die richtigen Geschenke. Es gab einfach zu viel Auswahl. Kam ein Geschenk der Vorstellung ein wenig nahe, musste man das Zubehör einzeln dazu kaufen. Geht’s noch. Ohne Pakete und ohne Baum fuhr sie nach Hause um wenigstens dort Ordnung zu schaffen. Müde schloss sie die Wohnungstür hinter sich. Sie zog sich um und inspizierte danach Zimmer für Zimmer. Die Zimmer der Mädchen sind nicht aufgeräumt. Fallen die weg mit putzen. Sie kennen die Abmachung. Ist nicht aufgeräumt, betrete ich ihre Zimmer nicht. Im Bad türmte sich die Schmutzwäsche. Na dann mal los. Während die erste Maschine lief, putzte sie lustlos das Wohnzimmer und die Küche. Ist das eine blöde Arbeit. Der Staub kommt wie ein Bumerang immer wieder zurück. Ihr Magen meldete sich. An der Spüle in der Küche ass sie ein kleines Sandwich. Sie schaute sich mit traurigen Augen um. Spürte die unangenehme Stille. Man hörte die Uhr ticken. Tick Tack. Tick Tack. Tick Tack. Mach was. Mach was. Mach was. Zorn erfasste sie. Soll ich jetzt den Rest des Tages mit Waschen verbringen? Den Abend wieder alleine verbringen? Kurz entschlossen nahm sie das Natel zur Hand und wählte die Nummer ihres noch Ehemannes. «Hallo ich Bins. Können die Mädchen ausnahmsweise heute bei dir übernachten? Können sie bis morgen Abend bei dir bleiben?» «Mir geht es nicht so gut. Weiss nicht ob ich die Grippe bekomme.» « Es geht dir? Super. Danke. Küsse die Mädchen von mir und bis morgen Abend.» Sie ging in das Schlafzimmer, packte ein paar Kleider ein. Sie hängte die Wäsche noch auf. Alles andere liess sie stehen und liegen und machte sich mit dem Auto auf dem Weg zum nächst gelegenen Wellness Hotel. Nachdem sie ihr Zimmer bezogen hatte, liess sie sich ein Bad ein. Wohlig in dem warmen Wasser liegend spürte sie, wie die Anspannung nachliess. Sie konnte es nicht mehr verhindern. Tränen liefen ihr über die Wangen. Leise damit sie niemand hörte.

Fortsetzung am 2. Advent

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